Lille Fives

Der Angriff auf Lille-Fives am 9. Oktober 1942. Hierzu kamen 108 B-17 zum Einsatz, eine Zahl, die sechs Monate später erstmals wieder bei einem Einzelangriff erreicht wurden. Die Viermotorigen gehörten hauptsächlich der 97th BG und 301st BG an, die bereits über einige Kampferfahrung verfügten, aber auch zur den 92nd, 306th und 93rd BG. In erster Linie handelte es sich um B-17, doch erlebten bei diesem Anlass auch einige B-24 Liberator ihre Feuertaufe; diese 24 Maschinen gehörten der 93rd BG an und erhielten Begleitschutz von zahlreichen RAF-Jägern sowie von drei P-38 Staffeln der 1st FG. Trotz allem Aufwand war der Einsatz nicht gerade ein großer Erfolg: Die neuen Bombergruppen litten unter Ausbildungsmängeln, viele Bomben fielen außerhalb des Zielgebiets in die dichtbebauten Wohnviertel von Lille, wobei zahlreiche zivile Opfer zu beklagen waren. Insgesamt wurden vier Bomber abgeschossen, zwei über Frankreich und zwei weitere über dem ärmelkanal, darunter eine B-24.

Dennoch wurde der Luftangriff auf alliierter Seite als Erfolg gewertet, was er kaum war. Ein Grund waren die übertriebenen Erfolgsmeldungen der Bordschützen: Sie wollten 56 deutsche Jäger abgeschossen haben, dazu 26 mutmaßliche Abschüsse und 20 beschädigte Feindmaschinen. Da ein deutsches Jagdgeschwader insgesamt rund 100 Flugzeuge umfasste, hätte dies die völlige Auslöschung des JG 26 bedeutet, erkauft mit dem Verlust von nur 4 eigenen Bombern! Die erfahrenen Briten erkannten dies auch sofort als Hirngespinste und machten sich von Herzen über ihre Verbündeten lustig, die dann auch für den offiziellen Bericht die Zahlen etwas nach unten korrigierten: 21 Abschüsse, 21 mutmaßliche Abschüsse, 15 Feindjäger beschädigt. Die deutschen Stellen gaben die Verluste mit 2 deutschen Jägern an!

Erwähnt sei noch, dass die B-17 ihre Robustheit bei einer Kollision über Dünkirchen unter Beweis stellen konnten: Die Propeller der Maschine von Lt. Wiley rissen einer anderen B-17, der von Lt. Dempsy, das Seitenruder und einen Teil des Seitenleitwerks ab, wobei zugleich an Wiley's Maschine zwei Motoren ausfielen. Trotz der schweren Schäden konnten beide Flugzeuge in England notlanden.