„Ohne die B-17 hätten wir den Krieg vielleicht verloren“
General Carl Spaatz

Die B-17 Flying Fortress, war der berühmteste Bomber der Amerikaner im Zweiten Weltkrieg und wird immer eine Legende bleiben. Sie war bekannt dafür, große strukturelle Schäden erleiden zu können und manchmal mit einem, zwei oder gar drei zerschossenen Motoren noch sicher zurück zum Stützpunkt zu fliegen. Sie flog gezielte strategische Bombenangriffe auf feindliche Ziele und zerstörte diese mit verheerender Präzision. Sie flog ihre Einsätze stets bei Tageslicht und überzeugte selbst Kritiker dieser Taktik. Mit ihren 13 0.50 Kaliber MGs war sie sehr gefürchtet. Und sie war der Bomber, der zehn Flieger in sich aufnahm – viele von ihnen waren noch Teenager – und sie zu einer zähen Kampfeinheit verband.

Memphis Belle Crew // Wikipedia Commons [Public Domain]

Memphis Belle Crew // Wikipedia Commons [Public Domain]

„In einer B-17 abzuheben war wie mit einem Greyhound-Bus oder einem voll beladenen Laster abzuheben, du hattest deine Bomben, deinen Treibstoff und deine Munition. Du hast das Ding hochgekurbelt und versuchtest, es dort zu halten. Das Cockpit war der schlechteste Platz, um da oben etwas zu sehen, da du nur geradeaus sehen konntest, und das war’s. Du konntest dich nicht umschauen oder nach unten blicken. Du hast mehr Informationen von dem Navigator oder Bombenschützen erhalten, die da draußen in der Glaskuppel saßen.

Mir haben der Navigator oder der Bombenschütze immer leid getan. Im Cockpit hatten wir Panzerplatten unter dem Sitz und im Rücken und ein bisschen an den Seiten, aber alles, was die um sich herum hatten, war Plexiglas. Sie waren da, wo sie von den Geschossen getroffen werden konnten. Einmal waren beide Motoren eines Flügels über Frankreich ausgefallen, weit von Zuhause entfernt. Wir mussten ihre Luftschrauben in Segelstellung bringen, damit die Propeller nicht wie Windmühlenflügel rotierten, und die flachen Blätter machten uns langsamer. Wir nahmen das Gas von den zwei verbleibenden Motoren zurück. Mit zwei toten Motoren auf einer Seite wird das Fliegen anstrengend, da das Gewicht der toten Seite die B-17 runter zog. Wir waren so damit beschäftigt, den einen Flügel hoch und das Flugzeug am Fliegen zu halten, dass wir gar nicht darüber nachdachten, dass es abstürzen konnte. Du hast die ganze Zeit alle Motoren beobachtet, den öldruck überprüft, die Umdrehungen pro Minute, besonders dann, wenn du von Flak getroffen wurdest. Die B-17 war einfach zu fliegen. Ich habe ein paar Stunden lang eine B-24 geflogen und das war richtig Arbeit. Die B-17 war stabil und einfach zu fliegen, du dachtest wirklich ‚Das Ding fliegt von selbst'“
USAAF Pilot Officer Robert Davila

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Die Entwicklung

B-17Es at Boeing Plant // Wikipedia Commons [Public Domain]

B-17Es in der Boeing Produktionshalle // Wikipedia Commons [Public Domain]

Vom US Army Air Corps (USAAC) in Auftrag gegeben, sollte das neue Kampfflugzeug die Merkmale eines “Kriegsschiffs des Himmels“ haben. Das Luftkorps forderte die Entwicklung eines mehrmotorigen Bombers, der eine Höchstgeschwindigkeit von 320 Km/h bis 400 Km/h in 3000 m Höhe, eine Reisegeschwindigkeit von 270 Km/h bis 320 Km/h und eine Gipfelhöhe von 8000 m erreichen konnte, sowie in der Lage war, über eine Dauer von 6 bis 10 Stunden zu fliegen. Einige Konstrukteure der Boeing Airplane Company bewiesen so etwas wie Weitblick, indem sie sich nicht, wie üblich, für zwei, sondern für vier Triebwerke entschieden. Auch wenn sie damit in erster Linie mehr Höhe über dem Zielgebiet erreichen wollten, so bewirkten sie doch auch, dass das Boeing Modell 299 wesentlich größer ausfiel als die Entwürfe der Konkurrenz. Am 18. Juni 1934 begann die Arbeit am Reißbrett.

Als die Journalisten das Modell 299 am 16. Juli 1935 im Boeing-Werk in Seattle erstmals in Augenschein nahmen, blieb ihnen wahrhaftig die Luft weg.

„Eine wahre Festung!“ stellte einer von ihnen fest „Eine Festung mit Flügeln!“

Der Boeing Airplane Company gefiel der Name, der überall Schlagzeilen machte, und so entschied man sich, „The Flying Fortress“ als Markenzeichen zu übernehmen. Die Legende der „Fliegende Festung“ hatte begonnen.

Der Jungfernflug

Am 28. Juli 1935 führte Les Tower den Prototyp auf Boeing Field zu einem erfolgreichen Jungfernflug. Hauptzweck des neuen Bombers war die Verteidigung der Vereinigten Staaten durch einer Invasionsflotte. Als die dreizehn Vorserienflugzeuge im US Army Air Corps eintrafen, erhielten sie die Typenbezeichnung YB-17. Y stand für die Auswertung, B für Bomber und 17 für das siebzehnte Bomber-Design, dass das USAAC akzeptiert hatte. Es war ein Kampfflugzeug, das alle geforderten Merkmale für Geschwindigkeit, Reichweite, Steiggeschwindigkeit und Bombenlast übertraf.

„Hitler hat eine Festung um Europa gebaut, aber er hat das Dach vergessen!“
Franklin Delano Roosevelt

Die begeisterten Presseberichte und Präsident Roosevelts Erkenntnis, dass eine Beteiligung am Krieg in Europa nicht vermieden werden konnte, stellten sicher, dass in kürzester Zeit die ersten Aufträge für die Produktion der turbogeladenen B-17B im Boeing-Werk eingingen. Glücklicherweise hatte die B-17 ein zusätzliches Merkmal, das von Vorteil war, nämlich ihre Anpassungsfähigkeit an weitere Entwicklungen. Als 1939 der Krieg in Europa ausbrach, erhielt das USAAC eine Lieferung von 39 B-17B gefolgt von 38 B-17C und 42 B-17D, bei denen es sich um ein neues, verbessertes Design handelte, die eine Höchstgeschwindigkeit von 529 Km/h in 8000 m Höhe erreichen konnte. 1941 übernahm die Royal Air Force (RAF – Britische Luftwaffe) zwanzig B-17C, die vom Bomberkommando die Bezeichnung „Fortress I“ erhielten.

Im Kampfeinsatz

Nach und nach wurde Boeing jedoch gezwungen, sich mit den Designfehlern in ihren jüngsten Kampfflugzeugen zu befassen. Daraus ging dann ein vollkommen neuer Bomber, die B-17E, hervor, die sich durch ihre unverkennbare große Schwanzflosse und eine verbesserte Bewaffnung auszeichnete. So fuhr das Boeing-Werk mit dem Bau von 512 B-17E fort und entwickelte währenddessen eine neue Version des Bombers, die B-17F. Sie war die erste kampfbereite Flying Fortress, die im Sommer 1942 aus der Halle gerollt wurde. Boeing sollte später 3405 dieser Kampfflugzeuge bauen. Die US 8th Air Force setzte die B-17F bei Tagesluftangriffen ohne Geleitschutz über Europa ein.

Lucky Lady // http://www.americanairmuseum.com/media/19463 // CC-BY-NC 3.0

Lucky Lady // http://www.americanairmuseum.com/media/19463 // CC-BY-NC 3.0

Das darauffolgende Modell, die B-17G, war die endgültige Entwicklung des Designs, Insgesamt wurden 8680 Bomber dieses Typs gebaut. Boeing gelang es, 108 Geschwader der 8th Air Force und 20 Geschwader der 15th Air Force in Italien auszurüsten und die RAF mit 200 Bombern zu beliefern. Die meisten Piloten, die die B-17 jemals geflogen haben, wussten dass sie es mit einem widerstandsfähigen Kampfflugzeug zu tun hatten.

Die 8th Air Force schätzte die durchschnittliche Lebensdauer einer B-17 auf 215 Tage: Davon war der Bomber 119 Tage lang betriebsunfähig, über 49 Tage in Reparatur und nur 47 Tage im Einsatz.

Die Luftkämpfe auf den Kriegsschauplätzen waren derartig heftig, dass es als bemerkenswert betrachtet wurde, wenn eine B-17 in ihrem ersten Dienstjahr 25 Einsätze überlebte.

Die erste Besatzung die es schaffte 25 Einsätze unbeschadet zu überstehen, war die Besatzung der Memphis Belle.

Die folgende Tabelle zeigt die Produktionsmengen der B-17 von den jeweiligen Hersteller:

Modell Erstflug Boeing Douglas Vega TOTAL
299 28.07.1935 1 0 0 1
Y1B-17 02.12.1936 13 0 0 13
Y1B-17A 29.04.1938 1 0 0 1
B-17B 27.06.1939 39 0 0 39
B-17C 21.07.1940 38 0 0 38
B-17D 03.02.1941 42 0 0 42
B-17E 05.09.1941 512 0 0 512
B-17F 30.05.1942 2300 605 500 3405
B-17G 21.05.1943 4035 2395 2250 8680
Menge 6981 3000 2750 12731
Prozentual 54.8% 23.6% 21.6% 100%

Nachkriegszeit

Nach dem Zweiten Weltkrieg, wurden viele B-17 von ihren Einsatzverbänden abgezogen und durch ihre große Schwester, die B-29 Superfortress ersetzt. Die meisten wurden in die Staaten zurückgeschickt und landeten auf dem Schrottplatz. Doch nur wenige blieben in der US Air Force, wo sich weiterhin Verwendung für sie fand. Aber auch im Ausland fand die B-17 Interessenten.

Nachdem der Krieg in Europa beendet war, wurden von 31 Bomber Groups 2118 B-17 zwischen 19.05.1945 – 09.06.1945 in die USA geflogen und in einer Wüste von Arizona abgestellt, viele wurden verschrottet und nur wenige wurden von Privatleuten oder Organisationen gekauft. Ob da heute noch B-17 stehen ist mir nicht bekannt.

Die US Air Force haben wenige B-17 vor und während des Koreakrieges als Transportflugzeug für ihre ranghohen Offiziere (VB-17G) und Seenotrettungsflugzeuge (SB-17G/B-17H) umgebaut und diese während des Koreakrieges 1951-1953 eingesetzt. Diese Maschinen starteten meist von den Flugplätzen in Japan. Außerdem wurden in den 50er Jahren ausgemusterte B-17 zum Atomtestzwecken eingesetzt um zu erproben wie Flugzeuge auf eine atomare Druckwelle reagieren. (siehe Foto, MATS = US-Lufttransportkommando)

Während des Zweiten Weltkrieges landeten viele B-17 mehr oder weniger unbeschädigt in den neutralen Ländern wie Schweden. Diese benutzten einige B-17 während und nach dem Krieg als Transportflugzeuge.

1948 gelang es Israel in den Besitz von 3 B-17G zu kommen. Zwei Maschinen hatten keine Kanonen, die Turmlöcher waren offen oder provisorisch abgedeckt, die Navigationsausrüstung fehlte und trotzdem wurde Kairo auf dem Flug nach Israel bombardiert. Keine Maschine ging verloren. Doch leider wurden sie alle in den 50ern verschrottet.

USAAF S/N Zivile-Registrierung
44-83753 N5024N
44-83811 N5014N
44-83842 N7712M, interniert in Portugal
44-83851 N1098M

Zwischen 1951 und 1955 gelangte Brasilien in den Besitz von 13 B-17. 5 waren SB-17G und 6 RB-17G. Sie wurden zur Forca Aerea Brasilia (FAB) zugeteilt. All diese B-17 waren für Such- und Rettungseinsätze oder für fotografische Aufklärung eingesetzt. Diese Maschinen wurden bis in die späten 60er Jahren außer Dienst gestellt.

FAB S/N USAAF S/N Bemerkung
5400 44-83663 1968 in die Staaten zurückgekehrt. Ausgestellt auf Air Force Basis Hill
5401 44-85567 1967 außer Dienst gestellt
5402 44-85583 1968 außer Dienst gestellt
5403 44-85602 1966 außer Dienst gestellt
5404 44-85836 Crash 1959
5405 43-39246 Crash 1962
5406 43-39335 1966 außer Dienst gestellt
5407 44-8891 1967 außer Dienst gestellt
5408 44-83718 1968 außer Dienst gestellt. Wird in einem Brasilianischen Luftwaffen-Museum restauriert
5409 44-83764 Crash 1964
5410 44-83378 1965 außer Dienst gestellt
5411 44-85494 1968 außer Dienst gestellt
44-85579 Crash 1952

Im Februar 1947 gelangten zwei B-17 in den Besitz der Dominikanischen Republik. Sie überlebten bis 1954.

Zwischen 1947 und 1960 befanden sich 5 SB-17G bei dem Portugiesen im Einsatz

US General Eisenhower übergab Frankreich die B-17F 42-30177 für den speziellen Transport für den französischen General M.P. Koenning. Sie wurde 1973 verschrottet.

In den 60ern wurden wenige B-17 zu Feuerlöschflugzeugen umgebaut, um Waldbrände zu bekämpfen.

Auch wenn sich die B-17 noch so gut modifizieren und zu Tests verwenden ließ, wurde die B-17 auch gern in der Filmwelt gesehen.

Neben mehreren Kriegsdokumentationen erschien 1949 der Spielfilm „Der Kommandeur“ (Orig. „Twelve O’Clock High“) mit der B-17 und mit dem berühmten Schauspieler Gregory Peck.

Neben kleineren Rollen in „Tora ! Tora ! Tora !“ und „1941, Wo bitte ist Hollywood“ bekam die B-17 1969 eine größere Rolle in den Film „Alarmstart für Geschwader Bradock“ (Orig. „1000 Planes Raid“).

Doch die schönsten Aufnahmen von der B-17 kann man in ihrem jüngsten und bekanntesten Film „Memphis Belle“ sehen.

Jetzt, fast 60 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, ist es immer noch nicht still geworden um die legendäre B-17 Flying Fortress. Sie ist weiterhin eines der Publikumslieblinge bei verschiedenen Airshows

Hoffentlich bleibt uns die legendäre B-17 Flying Fortress für lange Zeit erhalten!